Schwere Luft in meiner Lunge.
Schwere.
Würde ich in diesem Moment zu atmen verlernen,
so wäre ein Bild davon gezeichnet,
wie jedes Ideal seine Macken absteckt,
weil jeder Mensch schlafende Hunde weckt.
Wir sollten, hätten, könnten und sowieso,
schlauer wäre es gewesen, zu tun, was zu tun war.
Heute liegt mir die Ferne nah,
heute tanze ich bewegungslos,
heute bin ich winzig groß,
heute feiere ich den Schmerz,
heute esse ich mein Herz.
Heute wird nur heute, heute sein.
Morgen bin ich hier,
stolpere über Gefühle
und morgen ist alles klein.

(Quelle: auchegal)

Bist du noch Dichter?
Schreibst du Leuten noch “lächeln” auf ihre Gesichter?
Es ist, wie zu beobachten, dass sich Straßenlaternen einschalten.
Es ist, wie den Film an seiner besten Stelle auszuschalten,
raus zu gehen, in den Himmel, zum Mond zu schreien
und sich von Hirnkotzgedankenrotz zu befreien.
Ich mag Worte.
Ich mag Orte.
Ich mag Menschen besonderer Sorte.
Ich mag, wie Blicke sprechen.
Ich mag, dass nicht alle Versprechen brechen
und ich mag es, die Wege meiner Gedankengänge abrupt abzubrechen.

(Quelle: auchegal)

Mit Fingerspitzen fahre ich deinen Handrücken entlang, dann die Innenseite deines Unterarmes. Meine Finger wechseln, als würden sie Schritte gehen. Deine Haut, jede Narbe, du bist wunderschön. Ich umfasse dich und spüre deinen Rücken an meinem Körper. Sowie ich dich fester umarme, spüre ich, wie du lange ausatmest. Du drehst dich schnell um, rückst noch einmal auf der Stelle, bevor du mich anschaust. Und deine Augen, sie schreiben mir Geschichten von dem, was du sehen willst, von allem, was du sehen willst und auch von dem, was du gesehen hast. Ein Hauch von Zweifel, von Angst, legt sich auf deine Lippen und ich will rufen, ich will schreien “ich gehe nicht weg!” Ich schweige. Ich schweige und hoffe, dass mein Kuss jede Antwort ist.

(Quelle: auchegal)

Mo

Hanna war Einzelkind, sie hatte sich auch nie einen Bruder oder eine Schwester gewünscht, sie hatte Mo, ihren schwarzen Labrador. Sie war kleiner, als die anderen Mädchen in ihrer Klasse. Im Winter trug sie eine dunkelblaue Wollmütze, die sie so weit über ihre Ohren zog, bis nur die Spitzen ihrer schulterlangen, blonden Haare, sowie ihr zu langer Pony, den sie immer wieder aus ihren Augen strich, herausragten. Hanna hatte oft geträumt, wie sie und Mo, den sie nach dem Wochentag Montag benannt hatte, als sie 3 Jahre alt gewesen war, Superhelden waren. Sie stellte sich vor, dass sie die armen, schwachen vor den reichen Fieslingen beschützen. Dabei sah sie sich in einem neon-lila farbenen Anzug, mit gelben Arm- und Beinbinden und Mo mit einem, diesen Farben entsprechenden Umhang. Er war alles für sie, doch mit dem Abschluss der Grundschule veränderte sich Mos Rolle in ihrem Leben.

Umso älter Hanna wurde, umso seltener flüchtete sie sich in ihre Träumereien. Mit 16 Jahren war sie das beliebteste Mädchen der Stufe, sie war Klassensprecherin und ihr Handydisplay war nie von ungelesenen Nachrichten befreit. Mo war immer noch so wichtig für sie wie zuvor, nur hatte sie ihm über die Jahre hinweg immer weniger Zeit gewidmet, jedoch suchte sie ihn, wann immer es ihr besonders gut oder besonders schlecht ging, dann brauchte sie seine Nähe.

Mo war alt geworden. Sein Umhang hätte schon lange nicht mehr im Wind geweht und überhaupt schien er immer stärker die Rolle des Träumers zu übernehmen. Mo wurde immer träger und tat bald nicht mehr als fressen und schlafen. Als klar wurde, dass seine Tage gezählt waren, verlor Hanna die Leichtigkeit ihres Lebens. Sie bekam Angst. Nun verbrachte sie jeden freien Moment mit Mo. Sie lauschte seinem Herz, wenn er schlief, kraulte ihn hinter den Ohren, so wie er es liebte und lachte oft, wenn sie ihm die Welt erklärte und er an den passenden Stellen schnaufte. Hanna hatte trotz dieser, ihrer erneuten gemeinsamen Zeit, Schuldgefühlt. Sie liebte ihn wie eh und je und doch hatte ihn so lange vernachlässigt. Sie bereute so viel Zeit verloren zu haben, in der sie bei ihm hätte sein sollen.

Mo schlief nun jede Nacht in ihrem Bett und sie lag oft wach und erschrak trotzdem, wenn er sich rührte. Dann umfasste sie seine Schulter und legte seine Pfote in ihre Hand, sodass sie ganz nah bei einander lagen. Sie kuschelte auch oft ihr Gesicht gegen seinen Hinterkopf. Wenn seine Träume unruhiger wurden, summte sie die immer gleiche Melodie, bevor sie seinen Kopf küsste. Wenn er schnarchte, kraulte sie sanft seinen Hals, bis er kaum wahrnehmbar, zufrieden winselte und dann ruhig weiter schlief. Sie liebte Mo mehr als alles andere in ihrem Leben.

Sie wusste, dass ihr bester Freund, dass Mo bald sterben würde und doch schrie sie so laut, dass ihre Stimmbänder schmerzten, als sie an einem Freitag morgen Mos kalten, leblosen Körper neben sich spürte. Sie umfasste ihre Knie und ergab sich einem fast jämmerlichen Weinen, als ihr Vater Mo verdeckte und im Begriff war, ihn aus dem Zimmer zu bringen. Sie wusch ihre Tränen mit der Außenseite ihres Unterarmes weg, als sie realisierte, was geschah. Sie stürzte zu ihrem Vater und flehte er solle ihn noch einen Moment da lassen, während sie das Tuch von Mo riss und sich über ihn warf. Wieder überkamen sie Tränen, die sie nicht einmal versuchte zurück zu halten. Ihr Vater verließ überfordert das Zimmer, als Hanna begann mit winselnder Stimme zu Mo zu sprechen. Sie schwor ihm, dass sie ihn nie vergessen würde, dass sie jeden Moment mit ihm bewahren würde. Dann versuchte sie sich Mut für ein Leben ohne Mo zu zusprechen, doch als sie während sie über sein Gesicht strich und dabei, die aus seinem Mund ragende kalte, trockene Zunge streifte und sie eine Gänsehaut überkam, verzweifelte sie. Sie wurde schließlich sauer, denn er hatte sie alleine gelassen. Sie schrie, dass sie nicht ohne ihn leben kann und warf sich erneut über den kalten Körper. Sie weinte, bis ihre Augen schmerzten und schlief schließlich vor Erschöpfung ein.

Als sie wach wurde, war Mo weg. Für einen kurzen Moment hoffte sie alles wäre bloß ein böser Traum gewesen. Sie berührte ihre von den Tränen heißen Wangen, stand auf, drehte sich einmal, verloren, schnell um sich selbst, um ihr Zimmer zu überblicken, packte dann die alte Wollmütze, die auf ihrem Schrank, hinter einem Karton mit alten Schulsachen lag, rannte die Treppen ins Erdgeschoss hinunter und dann in den Garten.

Ihr Vater war dabei ein Loch auszuheben. Als er Hanna bemerkte, hörte er auf zu graben, legte seinen Blick kurz auf Mo, der von einem Tuch verdeckt, nicht weit von dem Loch lag und erklärte, dass er ihn nicht begraben hätte, bevor sie sich verabschiedet hat, während er seinen Blick über Hannas Gesicht streifen lies und dabei selbst sehr traurig wirkte. Hanna nickte und trat an ihren Vater, die Wollmütze mit beiden Händen fest greifend, heran. Ihr Vater umarmte sie fest. Als sie die Umarmung lösten, war sein Hemd an der Stelle, an der Hannas Gesicht gelehnt hatte durch ihre Tränen dunkler gefärbt. Ihr Vater versuchte sie aufmunternd, zuversichtlich anzulächeln, doch es gelang ihm bloß dürftig.

Schließlich nahm Hanna noch einmal, ein letztes Mal das Tuch von Mo, wobei ihr ein lautes Schlurzen entfuhr, welches sie mit ihrer Hand, die sie vor ihren Mund hielt, zu fangen versuchte. Sie legte die Mütze zwischen seine Vorderpfoten, küsste seinen Kopf und strich ein letztes Mal über diesen und legte dann langsam das Tuch wieder über ihn. Sie presste ihre Augen kurz zusammen und schüttelte, um ihr Unverständnis auszudrücken, leicht ihren Kopf, bevor sie ihre Augen wieder öffnete.

Als Mo vergraben war und Hanna und ihr Vater nebeneinander vor seinem Grab standen, sah ihr Vater Hanna an und bemerkte, dass sie zitterte. Er umarmte sie noch einmal kurz seitlich, streichelte dabei über ihre Schulter und ging dann hinein, um ihr eine Jacke zu holen.

Hannas Blick war starr, ihre Füße gruben sich in den gelockerten Boden und für diesen kurzen Moment schien alle Verzweiflung verflogen zu sein. Sie sah in den Himmel und schmunzelte, als eine Träne ihre Lippen berührte.

Sie hatte ihren besten Freund, das für sie wertvollste in ihrem Leben, verloren.

Ihre Beine wurden schwer und die Sekunden schienen nicht zu vergehen. Sie wendete ihren Blick wieder auf Mos Grab und  fragte dann mit weinerlicher, zitternder Stimme: “Wohin mit all meiner Liebe?” Ihr Blick wurde erneut glasig und ihre Unterlippe zitterte.

(Quelle: auchegal)

Wie ich der Naivität nachsehne.
Glück, immer gefangen im Augenblick.
Zweifel schubsen, drängeln gen Vergänglichkeit.
Kopf aus.
Meine Monster lechzen nach Beachtung,
doch wie könnte ich sie dir zeigen?
Die Welt begegnet ihnen blind und taub, doch leider nicht stumm.

(Quelle: auchegal)